Lokal wird international: Gorkhaland und Darjeeling-Tee
Der in den “Darjeeling Hills” von der Gorkha Janmukti Morcha ausgerufene zeitlich unbegrenzte Streik wurde zwar von Donnerstag, den 12. Juni, bis Sonntag, den 15. Juni, gelockert – dennoch zeichnen sich fuer die Wirtschaft verheerende Verluste ab. Die Lockerung des Streiks am vergangenen Donnerstag fuehrte keineswegs zu einer Entspannung der Lage – die Volksgruppe der Bengalis, die auch die Regierung und die Uebermacht im Bundesstaat West Bengal stellt, steht dem Streben nach einem eigenen Staat Gorkhaland diametral entgegen. Eine Bengalenorganisation weigerte sich deshalb, den Streik aufzugeben. LKWs, die am Donnerstag und Freitag Waren in die Bergregionen bringen sollten, wurden z.T. von Motorradhorden gestoppt, Ladeneigentuemer, die ihre Shops oeffneten, gezwungen, diese wieder zu schliessen. Am Freitag, 14 Uhr, oeffneten die Laeden jedoch wieder, und am Wochenende hat sich die Situation hier deutlich entspannt. Da die Rikshaw-Fahrer auch streikten, liefen wir am Freitag ins Buero – dieses blieb jedoch offiziell geschlossen, da die beschaeftigten Nepalis Angst hatten, zu erscheinen.
In dieser Woche scheint nun alles schon wieder der Vergangenheit anzugehoeren. Das Stadtleben in Siliguri brodelt und kocht, Menschen, Laerm, Fahrzeuge ueberall.
Die genaueren Details zu den Verhandlungen um Gorkhaland mit Regierung und Parteien erspare ich Euch hier.
Aber ich moechte auf einen Bericht ueber die Teeexporte eingehen, denn die Auswirkungen des Streiks koennten schliesslich auch die Liebhaber des feinen, weltberuehmten Darjeeling-Tees auf allen Kontinenten betreffen.
Mindestens 6 Tage lang, vom 10. bis 16. Juni, konnte kein Tee aus den Teegebieten in den Bergen nach Calcutta an den Flughafen transportiert werden – und das in der „second flush“-Zeit, wenn der Tee die hoechste Qualitaet erreicht hat. Der „second flush“ beginnt im Mai nach einigen Regenschauern, die Zeit des „first flush“ ist gen Ende April beendet.
Der beste Tee wird exportiert.
Die Gruende fuer die Teeblockade sind zweierlei: Obwohl die Gorkha Janmukti Morcha ja nun am Donnerstag den Streik fuer einige Tage gelockert hatten, waren die LKWs nicht auf den Teetransport vorbereitet. Das Hauptproblem aber ist, dass – obwohl eigentlich die Teegaerten von den Streiks ausgenommen wurden – viele Arbeiter nicht in den Plantagen erschienen (manche konnten nicht, manche wollten nicht), zu wenig Tee gepflueckt wurde.
Tageloehner, die in den Teegaerten arbeiten, bekommen fuer die Streiktage natuerlich kein Gehalt, festangestellte Pfluecker schon. Neben den auf Tagesbasis angestellten Pflueckern trifft der Streik aber nicht nur die Teegartenbesitzer, sondern auch Teehaendler, Teeexporteure und sogar Airlines und Schifffahrtsgesellschaften.
Fuer die Vereinigung „Tea Board of India“ ist der Streik und der Bruch von Liefervertraegen besonders derzeit aergerlich, in der indische Produzenten versuchen, Darjeeling als dominante Marke auf internationalen Maerkten zu positionieren.
Laut der indischen Zeitung „The Telegraph“ produziert Darjeeling ca. 1 Mio. Kilogramm Tee im Juni. Der Durchschnittspreis liegt bei Rs 800 – 1000 pro kg (13 – 16 Euro). Ein kg „second flush“-Tee kann auf internationalen Maerkten bis zu Rs 8000 (ca. 130 Euro) erzielen.